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Datum: 05.02.2021

Bioplastik im Nachhaltigkeits-Dilemma Wissenschaftler der Universität Bonn untersuchen die Faktoren zur Klimabilanz pflanzenbasierter Kunststoffe

Plastik, das aus Nutzpflanzen wie Mais oder Zuckerrohr anstatt aus Erdöl hergestellt wird, gilt allgemein als nachhaltig. Ein Grund: Pflanzen binden CO2 – und kompensieren so den Kohlenstoff, der bei der Entsorgung von Kunststoffen in die Atmosphäre gelangt. Allerdings gibt es einen Haken: Bei steigender Nachfrage an Rohstoffen für die Bioplastik-Produktion reichen die Anbauflächen nicht aus. In der Folge werden häufig natürliche Vegetationen in landwirtschaftlich genutzte Flächen umgewandelt und Wälder abgeholzt. Das wiederum setzt große Mengen CO2 frei. Die Annahme, dass mehr Bioplastik nicht zwangsläufig zu mehr Klimaschutz führt, haben Forschende der Universität Bonn jetzt in einer neuen Studie bestätigt. Sie fanden heraus, dass die Nachhaltigkeit von pflanzenbasierten Biokunststoffen maßgeblich vom Herkunftsland, seinen Handelsbeziehungen und dem verarbeiteten Rohstoff abhängt. Die Studie ist in der Fachzeitschrift „Resources, Conservation & Recycling“ erschienen.

 

Für den Anbau von Zuckerrohr

Für den Anbau von Zuckerrohr werden häufig natürliche Vegetationen in landwirtschaftlich genutzte Flächen umgewandelt und Wälder abgeholzt. (© Foto: Colourbox)

 

Wie schon in vorherigen Analysen verwendeten die Wissenschaftler ein flexibles und nach dem Baukastenprinzip aufgebautes Wirtschaftsmodell, mit dem sie die Auswirkungen des steigenden Angebots an Bioplastik simulieren konnten. Das Modell basiert auf einer weltweiten Datenbank (Global Trade Analysis Project). Für ihre aktuelle Studie modifizierten die Forscher das ursprüngliche Modell, in dem sie sowohl konventionelle Kunststoffe als auch Biokunststoffe sowie zusätzliche Pflanzen wie Mais und Maniok aufschlüsselten. „Das ist entscheidend, um die Lieferkette von Biokunststoffen in den wichtigsten Produktionsregionen besser darzustellen und ihre Umweltauswirkungen aus der Lebenszyklusperspektive heraus zu bewerten“, betont Agraringenieurin Dr. Neus Escobar. Sie führte die Studie am Institut für Lebensmittel- und Ressourcenökonomik sowie am Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) der Universität Bonn durch und ist mittlerweile am International Institute for Applied Systems Analysis in Laxenburg (Österreich) tätig.

In der aktuellen Studie berücksichtigten sie und ihr Kollege Dr. Wolfgang Britz den Verlust der natürlichen Vegetation im globalen Umfang. Sie machten Schätzungen darüber, wo es wie viele Flächen gibt, die leicht in produktive Nutzungen umgewandelt werden können und berücksichtigten die dazugehörigen Modellparameter. In einer vorherigen Publikation hatten die Bonner Wissenschaftler bereits die Produktion von herkömmlichen Kunststoffen und Bioplastik in Brasilien, China, der EU und den USA aufgeschlüsselt – den Ländern, die bei der Produktion von Bioplastik führend sind. In ihrer jetzigen Studie schlossen sie darüber hinaus Thailand mit ein, wo es viele kohlenstoffreiche Wälder gibt. Experten erwarten, dass das asiatische Land in naher Zukunft zu einem weltweit führenden Hersteller von biologisch abbaubaren und biobasierten Kunststoffen wird. „All diese Änderungen des Modells sind notwendig, um die globalen Effekte zu erfassen, die aus den unterschiedlichen Maßnahmen oder Technologien resultieren“, sagt Dr. Wolfgang Britz, der mit seinem Team an der Erweiterung des Modells gearbeitet hat.

 

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  www.uni-bonn.de | 05.02.202

 

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  www.fricktal24.ch | 26.02.2021

  f3.de | 11.02.2021

  analytik.news | 11.02.2021

  www.bionity.com | 09.02.2021

  www.chemie.de | 09.02.2021

  www.recyclingmagazin.de | 09.02.2021

  www.azocleantech.com | 08.02.2021

  scientificinquirer.com | 06.02.2021

  www.abitur-und-studium.de | 05.02.2021

  ww.sciencedaily.com | 05.02.2021

  scienmag.com | 05.02.2021

  phys.org | 05.02.2021

  www.myscience.de | 05.02.2021

 

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